Böse Menschen, pfui *g*

Ja, wenn man „Die Anderen und Johannes der V.“ des österreichischen Schriftstellers Tauchmaske liest und über die hier vermittelten Inhalte nachdenkt, hat die Überschrift leider (nicht nur noch) Symbolcharakter.

„Die Anderen und Johannes V.“ ist der zweite Teil einer Trilogie, der nahtlos an den ersten Band „Ich, Johannes der V.“ anknüpft. Man sollte also Band 1 kennen, bevor man das hier vorgestellte Buch liest.

Johannes begibt sich in diesem Band auf eine schier unglaubliche Reise – unglaublich deshalb, weil nicht wahr sein kann, was hier beschrieben wird. Doch halt: was ist eigentlich „Die Wahrheit“? Gibt es wirklich nur die „eine Wahrheit“, die von uns Menschen als richtig erachtet wird oder (anders gesagt) als richtig gelehrt und eingetrichtert wird? Oder sind wir Menschen nicht doch „die Kinder“ einer Spezies (der Anderen), die so viel weiser, so viel klüger sind als wir Menschen und die es satt haben, länger dabei zuzuschauen, wie wir unsere „Mutter“ Erde malträtieren, ausnutzen und (nicht nur sie sondern auch uns Menschen) zu Grunde richten? Dem einen oder anderen Leser wird der übergroße erhobene Zeigefinger, der über dem Buch schwebt, ein Dorn im Auge sein – aber auch nur, weil er während der Lektüre (schmerzlich) erkennt, dass Tauchmaske uns hier den Spiegel des eigenen Lebens vorhält. Denn ob man will oder nicht: der Leser erwischt sich ganz oft bei dem Gedanken „Ja, genau so ist es bei mir oder in unmittelbarer „Nachbarschaft“. Was kann ich ändern, damit es anders wird?“ Und schon fängt man an, nicht mehr alles fraglos hinzunehmen, sondern recherchiert einige der im Buch vorgestellten Thesen und Fakten selber und ist über die Ergebnisse der Recherche mehr als verwundert. Und genau das ist ein gewollter Ansatz von Tauchmaske: nicht alles fraglos hinnehmen, nicht alles von den sog. „sozialen Medien“ vorgegaukelte Pseudowissen als Wahrheit akzeptieren und für gut befinden, in dem man auf den Daumen nach oben klickt.

Die Grenzen zwischen der von uns Menschen gemachten Realität (oder das, was wir für sie halten), Fantasie und den ureigensten „geheimen“ Wünschen des Lesers verschwimmen hier nahtlos zu einem großen Ganzen und es ist schon lange her, dass ich mich in der Welt der Riesen, Zwerge und Elfen so wohl gefühlt habe.

Wie schon im Vorgängerband kommt hier (trotz des ernsten Hintergrunds) der Humor nicht zu kurz und auch das gern in Büchern verarbeitete Thema „Christen vs. Islam“ erhält hier in Form von „gemeinsamen“ Auftritten von Jesus und Mohammed, bei denen sich beide prima verstehen und Jesus mehr als einmal mit trockenem Humor glänzt eine „Plattform“. Die Hauptfigur ist und bleibt aber Johannes, der diesmal mit Aulacid eine mehr als nette Asin als Begleiterin an die Seite gestellt bekommt und mit der er durch die Welt der „Anderen“ reist und ihm geduldig alle Fragen beantwortet.

Das Finale in diesem Band ist großes Kino und hier zeigt sich auch, dass jede Spezies seine „Daseinsberechtigung“ hat – sprich: auch der Mensch hat nicht nur schlechte Seiten *grins* Mehr wird aber an dieser Stelle nicht verraten.

Ich jedenfalls freue mich auf den dritten Band der Trilogie und sage in der Sprache der Anderen: „Diolchinfar“ (Danke) Tauchmaske für das erneute lehrreiche Lesevergnügen.

Rezension von kingofmusic aus lovelybooks.de